Kirchen

Wir in Tulln wollen eine einladende und offene Gemeinde für alle sein! Deshalb versuchen wir, besonders in unseren Gottesdiensten die Frohe Botschaft in vielfacher Form weiterzugeben.

In Tulln und in St.Andrä-Wördern feiern wir in unserer im Winter gut beheizten Kirche Gottesdienste, die sich nach den Bedürfnissen kleiner wie großer Menschen ausrichten. Wir versuchen dabei, die biblische Botschaft in jeder Weise wahrzunehmen, weiterzusagen und dabei alle Sinne anzusprechen.

GESCHICHTE DER EVANGELISCHEN PFARRE TULLN

Evangelisches Leben in Tulln im 16. Jahrhundert

Die allgemeine Unzufriedenheit mit den Verhältnissen in der Kirche führte im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts auch im jetzigen Bezirk Tulln zu einer breiten Zustimmung zu den Forderungen der Reformatoren. Dabei spielte die Einbindung der Stadt Tulln in den Fernhandel, vor allem mit Augsburg und Nürnberg, eine wesentliche Rolle, durch die auch reformatorisches Schriftgut nach Niederösterreich kam. Während der Osten des Bezirks durch die Dominanz der Grundherrschaft des Bistums Passau den alten Glauben besser schützen konnte, waren die Kirchen der Herrschaften im Westen, die nicht der Kirche unterstanden, bald mit protestantischen Predigern besetzt. Wesentliche Zentren bildeten die Kirchen von Judenau, Zwentendorf und Absdorf, die phasenweise mit prominenten Prediger-Persönlichkeiten besetzt waren. So starb, 1601, der frühere Heidelberger Hofprediger und spätere Landschaftsprediger in Linz, Georg Khuen als Pfarrer in Absdorf und wurde in der dortigen Pfarrkirche beigesetzt, in Grafenwörth war Joachim Magdeburgius mehrere Jahre tätig. Wichtiger Träger des evangelischen Lebens waren die hier ansässigen Adelsfamilien, wie die Freiherrn von Rueber, die Grafen Althan und die Grafen Hardegg, denen durch das Privileg Kaiser Maximlian II. 1571 die freie Religionsausübung auf deren Schlössern zugestanden war. In diesem Sinne wurde 1591 auch die heutige katholische Pfarrkirche von Judenau als evangelische Schlosskirche errichtet.

Schwieriger war die Situation in der Stadt Tulln. Die Stadtpfarrkirche St. Stephan unterstand direkt dem Passauer Offizial und ungeachtet der Tatsache, dass die Pfarrer Hieronymus Helmauf und Gregor verheiratet waren, hielten sie an katholischen Gebräuchen fest, wodurch es, vor allem in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts zu erheblichen Spannungen mit der Gemeinde kam, als Vertreter des Rates die Reichung des Abendmahls in beiderlei Gestalt verlangten. Wichtigste Träger des evangelischen Lebens war der jeweilige lateinische Schullehrer, in der Schule der Stadt Tulln war der lutherische Katechismus, ungeachtet zahlreicher Versuche des Pfarrers dessen Verwendung zu untersagen, Grundlage des Unterrichts. Aus Tulln stammte der Prediger Wolfgang Waldner, der nach einem Aufenthalt in Nürnberg zu den wesentlichen Persönlichkeiten des evangelischen Ministeriums in Regensburg gehörte.

Die Lage änderte sich dramatisch, als mit Melchior Khlesl (1552 – 1630), 1580, ein neuer Offizial das Amt antrat. Die Bürger von Tulln mussten am 18. September 1588 eine Loyalitätserklärung zur katholischen Konfession abgeben und in der Folge wurden der Kirchenbesuch, die Osterbeichte und der Kommunionempfang von Seiten der Obrigkeit genau kontrolliert. Nur wenige Tullner Bürger, wie der Schullehrer Wolfgang Nußdorfer, der Hafner Abraham Lechner und der Messerschmied Lorenz Forchner, bekannten sich, vor dem Rat offen zur evangelischen Lehre. Wurden in diesem Sinn diejenigen Bürger, die nicht katholisch werden wollten, schon in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts zur Auswanderung gezwungen, so folgte die Rekatholisierung der adeligen Herrschaften im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges, die letzte evangelische Familie die den Bezirk verließ, waren allerdings erst die Grafen Kornfail, die 1730 ihre Herrschaft Würmla verkauften.

DIE EVANGELISCHE GEMEINDE ST. ANDRÄ – TULLN

Kirchen  Christuskirche St.Andrä-Wördern

Mit dem Toleranzpatent Kaiser Joseph II., 1781, gab es im Bezirk Tulln zu wenige Evangelische, die die Errichtung einer eigenen Gemeinde nach den Regelungen des Patents ermöglicht hätten. Erst die Zuwanderung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte zu einem erneuten Bedürfnis nach evangelischen Gottesdiensten. Erstmalig wurde dieser 1896 vom Pfarrer von St. Pölten in Tulln gefeiert, 1904 fand der erste Gottesdienst in St. Andrä statt. Dort wurde 1908 auch eine Predigtstation der Pfarrgemeinde Klosterneuburg eingerichtet, die neben den Bemühungen des damaligen Pfarrers Otto Riedl (1878 – 1965) den Unternehmern Richard Gebhard und Baron Moritz Pflaum zu verdanken war.

Im Verlauf des Ersten Weltkriegs, wurde am 18. Juli 1915 in Wördern eine eigene Filialgemeinde gegründet, die die damaligen Gerichtsbezirke Tulln und Atzenbrugg umfasste. Ein eigener Kirchenbau in Wördern, für den ein bereits genehmigter Entwurf durch den bekannten deutschen Architekten Otto Bartning (1883 – 1959) vorlag, unterblieb aus sozialen Gründen, da man die Arbeit bedürftigen Kriegsheimkehrern vorbehalten wollte. Als diese dann tatsächlich aus dem Krieg heimkehrten, hatte die Inflation das Kapital vernichtet.

Besonderer Unterstützung erfreute sich die junge evangelische Gemeinde in Tulln, sodass es mit Hilfe der Stadtgemeinde 1920 gelang, ein Grundstück zu erwerben, für einen Kirchenbau fehlten allerdings die Mittel, sodass ab 1928 die Gottesdienste im sogenannten „Salzturm“ gefeiert wurden.

Die steigende Zahl an Mitgliedern und die weite Entfernung der Predigtstationen führte im Jahr 1930 zu Loslösung der Filiale von der Pfarre Klosterneuburg und zur Gründung einer eigenen evangelischen Pfarrgemeinde Wördern-Tulln mit Sitz in St. Andrä vor dem Hagentale.

Eine starke Vergrößerung erfuhr die evangelische Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg, als zahlreiche Flüchtlinge aus Krčedin, am Donauufer in der serbischen Vojvodina gelegen, nach Tulln kamen, um bei der Wiederherstellung der Donaubrücke Arbeit zu finden. Der Anstieg der Gläubigen und der Gottesdienstbesucher machte das Fehlen geeigneter Räumlichkeiten besonders spürbar, sodass 1962 der Beschluss für den Neubau einer Kirche in der Tullner Grottenthalgasse gefasst wurde. Die Kirche wurde nach einem Entwurf des prominenten Wiener Architekten Karl Schwanzer (1918 – 1975) errichtet und konnte 1967 eingeweiht werden, 1989 konnte auch eine Orgel des Orgelbauers Friedrich Heftner beschafft werden. Nach Abschluss dieser baulichen Maßnahmen wurde 1970 auch das Zentrum der evangelischen Gemeinde von St. Andrä nach Tulln verlegt. 1996 erhielt St. Andrä schließlich eine eigene Kirche, für die ein kleines Orgelpositiv bei der Orgelbau-Firma Bodem erworben werden konnte.

Kirchen     Heilandskirche Tulln

PFARRER DER EVANGELISCHEN PFARRE St. ANDRÄ WÖRDERN bzw. TULLN

1931 – 1947 Pfarrer Georg Harth
1948 – 1952 Pfarrer Richard Albert
1952 – 1963 Pfarrer Mag. Alfred Jahn
1963 – 1996 Pfarrer Mag. Arnold Komers
ab 1996       Pfarrerin Mag. Ulrike Wolf-Nindler

VIKARE

1975 – 1978      Mag. Horst Pehlke
1985 – 1986      Mag. Marold Hertlein
2002 – 2004      Mag. Marianne Fliegenschnee
2008 – 2010      Dr. Dietmar Weikl-Eschner
2014 – 2016      Dr. Markus Lang

KURATOREN

1930 – 1963      August Lowack
1963 – 1967      Wolfgang Ranftler
1967 – 1985      Brgd. Gerald Schimmel
1985 – 1990      Karl Steigele
1990 – 1999      Peter Pennerstorfer
ab 1999             Helmuth Rieger

LITERATUR: Geschichte der Evangelischen im Bezirk Tulln (= Mitteilungen XVII des Heimatkundlichen Arbeitskreises für die Stadt und den Bezirk Tulln), Tulln 2003.