3. April 2026 – Karfreitag
Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab. Jeder, der an ihn glaubt, soll nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.
Joh 3,16

Karfreitag: ein Tag zum Innehalten.
Ein Tag, der uns zeigt: Versöhnung beginnt dort, wo wir dem Schmerz nicht ausweichen.
PREDIGTTEXT aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 5,14b–21
Wir sind nämlich zu der Überzeugung gelangt: Wenn einer für alle gestorben ist, dann sind damit alle gestorben. 15Christus ist für alle gestorben, damit die Lebenden nicht länger für sich selbst leben. Sie sollen jetzt vielmehr für den leben, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde. 16Daher beurteilen wir von nun an niemanden mehr nach menschlichen Maßstäben. Auch Christus beurteilen wir nicht so. Selbst dann nicht, wenn wir ihn früher nach menschlichen Maßstäben beurteilt haben. 17Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist entstanden! 18Das alles kommt von Gott. Durch Christus hat er uns mit sich versöhnt. Er hat uns sogar den Dienst übertragen, die Versöhnung zu verkünden. 19Ja, in Christus war Gott selbst am Werk, um die Welt mit sich zu versöhnen. Er hat den Menschen ihre Verfehlungen nicht angerechnet. Und uns hat er sein Wort anvertraut, das Versöhnung schenkt. 20Wir treten also im Auftrag von Christus auf. Ja, Gott selbst lädt die Menschen durch uns ein. So bitten wir im Auftrag von Christus: Lasst euch mit Gott versöhnen! 21Obwohl Christus ohne jede Sünde war, hat Gott ihm unsere Sünde aufgeladen. Denn durch die Verbindung mit Christus sollen wir an Gottes Gerechtigkeit teilhaben.
GEDANKEN zum Predigttext
Karfreitag ist ein Tag, den wir am liebsten überspringen würden.
Ein Tag voller Schmerz, voller Dunkelheit. Und doch führt kein Weg an ihm vorbei. Denn der Weg zum Leben geht, so zeigt es das Kreuz, mitten hindurch.
Der Predigttext eröffnet eine überraschende Perspektive:
„Wenn einer für alle gestorben ist, dann sind damit alle gestorben.“
Am Kreuz geht es nicht nur um den Tod Jesu. Es geht um einen radikalen Einschnitt: Das Alte: Schuld, Verletzungen, Selbstbezogenheit, hat nicht mehr das letzte Wort.
Denn: „Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist entstanden!“ Diese neue Wirklichkeit beginnt nicht erst irgendwann. Sie beginnt jetzt.
Nicht, weil wir sie schaffen, sondern weil Gott sie schenkt.
Im Zentrum steht ein Wort: Versöhnung.
„In Christus war Gott selbst am Werk, um die Welt mit sich zu versöhnen.“
Gott eröffnet damit einen neuen Anfang.
Gerade in einer Zeit voller Spannungen und Gegensätze ist das eine herausfordernde Botschaft: Versöhnung ist möglich.
Aber sie ist kein Zwang – sie ist eine Einladung:
„Lasst euch mit Gott versöhnen!“
Diese Einladung gilt auch uns.
Sie lädt ein, anders zu leben, den anderen neu zu sehen und auch mit sich selbst barmherziger zu sein.
Karfreitag zeigt: Versöhnung ist kein leichter Weg.
Aber sie öffnet Zukunft.
Vielleicht ist das die leise Hoffnung dieses Tages:
Dass Gott längst begonnen hat, alles neu zu machen
und dass selbst im Dunkel schon ein neuer Anfang verborgen liegt.
Pfarramtskandidatin Hannah Wolf
PSALM 22,2–9.12.16.19–20 (Basisbibel)
»Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?«
Fern ist meine Rettung,
ungehört verhallt mein Hilfeschrei.
»Mein Gott«, rufe ich am Tag,
doch Antwort gibst du mir nicht.
Und ich rufe in der Nacht,
doch Ruhe finde ich nicht.
Du aber, du bist der Heilige!
Du thronst über den Lobgesängen Israels!
Auf dich vertrauten schon unsere Vorfahren.
Sie vertrauten darauf, dass du sie rettest.
Sie riefen zu dir und wurden gerettet.
Auf dich haben sie sich verlassen
und wurden nicht enttäuscht.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Gespött der Leute und verachtet vom Volk!
Alle, die mich sehen, lachen nur über mich.
Sie spitzen die Lippen, sie schütteln den Kopf:
»Soll er doch seine Last auf den Herrn abwälzen!
Der soll ihn auch retten!
Der soll ihn aus dem Elend reißen.
Er ist ja sein Freund!«
Bleib nicht fern von mir! Denn die Not ist so nahe,
und ich habe sonst keinen, der mir hilft.
Trocken wie eine Tonscherbe ist meine Kehle
und die Zunge klebt mir am Gaumen.
So legst du mich in den Staub zu den Toten.
Sie verteilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los über mein Gewand.
Doch du, Herr, bleib nicht fern von mir!
Du bist meine Stärke, hilf mir schnell!